Weber GbR in Hamm nimmt Wasserstoffsystem offiziell in Betrieb
Die Weber GbR hat offiziell an ihrem Standort in Hamm gemeinsam mit H2 Core Systems ein stationäres wasserstoffbasiertes Energiesystem vorgestellt.
Im Rahmen eines Vor-Ort-Termins präsentierten Wolfgang Weber sowie geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wasserstoffnetzwerken die neue Anlage, die Photovoltaik, Batteriespeicher, Wasserstofferzeugung, Wasserstoffspeicherung, Brennstoffzelle und Wärmenutzung zu einem intelligenten Gesamtsystem verbindet.
An dem Termin nahmen unter anderem Marc Herter, Oberbürgermeister der Stadt Hamm, Vertreter der Wasserstoffallianz Westfalen, der Impuls Wirtschaftsförderung Hamm sowie weitere Projektbeteiligte teil. Gefördert wurde das Projekt über das Programm progres.nrw – Klimaschutztechnik im Bereich „Stationäre wasserstoffbasierte Energiesysteme in Verbindung mit einer Photovoltaikanlage“. Die Bezirksregierung Arnsberg verweist im Kontext der Klimaschutz- und Energiewende-Förderprogramme auf Fördermittel des Landes NRW für Bürgerinnen und Bürger, Wirtschaft und Kommunen; progres.nrw umfasst unter anderem stationäre wasserstoffbasierte Energiesysteme in Verbindung mit Photovoltaik.
Im Zentrum des Projekts steht ein Indoor HydroCab PowerCore von H2 Core Systems. Das System wurde mit drei Elektrolyseuren, einer Brennstoffzelle sowie einem Trockner installiert. Die Anlage ergänzt eine bestehende Photovoltaikanlage mit rund 30 kWp und ermöglicht es, überschüssigen Solarstrom flexibel zu nutzen: zunächst zum Laden von drei Elektrofahrzeugen, anschließend zur Speicherung in einem Batteriespeicher und darüber hinaus zur Umwandlung in grünen Wasserstoff.
Der erzeugte Wasserstoff wird in mehreren Flaschenbündeln gespeichert und bei Bedarf über eine Brennstoffzelle wieder in elektrische Energie umgewandelt. Gleichzeitig wird die entstehende Prozesswärme über Wärmetauscher in einen 1.000-Liter-Wasserspeicher eingebunden. Damit kann die bestehende Gasheizung unterstützt und perspektivisch teilweise oder vollständig ersetzt werden.
„Unser Ziel war es, die bereits vorhandene Infrastruktur nicht aufzugeben, sondern sinnvoll weiterzuentwickeln“, sagt Wolfgang Weber, Kunde und Betreiber der Anlage. „Mit der neuen Lösung von H2 Core Systems können wir unseren PV-Strom deutlich umfassender nutzen – für Mobilität, Stromversorgung, Wasserstoffspeicherung und Wärme. Genau diese Verbindung macht das Projekt für uns so wertvoll.“
Das Projekt hat eine besondere Vorgeschichte: Am Standort der Weber GbR befand sich bereits seit 2024 eine Wasserstoffanlage des insolventen Herstellers Home Power Solutions. Nach dem Insolvenzfall entschloss sich die Weber GbR, H2 Core Systems mit der Inbetriebnahme, Umrüstung und technischen Weiterentwicklung der bestehenden Anlage zu beauftragen. Ein wesentliches Ziel war es, möglichst viele vorhandene Komponenten weiterzuverwenden. Dazu zählen unter anderem Teile des Speichersystems, die Kompressoreinheit inklusive Sensorik, bestehende Rohr- und Leitungsabschnitte sowie der Batteriespeicher zur Pufferung der Solarenergie.
Ausgetauscht und neu integriert wurden zentrale Systemkomponenten wie die Steuereinheit, die elektrische Anbindung an das Hausverteilnetz, die Elektrolyseanlage, die Brennstoffzelle sowie die Einbindung des Brennstoffzellen-Kühlsystems in das hausinterne Wärmenetz. Das bisherige Wohnraumbelüftungssystem wurde nicht weitergeführt, da keine zusätzliche Sauerstoffeinleitung in die Wohnräume erforderlich ist.
„Dieses Projekt zeigt sehr konkret, wie Wasserstofftechnologie im Gebäudebereich eingesetzt werden kann – nicht als Zukunftsvision, sondern als funktionierende Lösung vor Ort“, erklärt Ulf Jörgensen, CEO von H2 Core Systems. „Besonders wichtig war uns, die vorhandene Infrastruktur des Kunden bestmöglich zu erhalten und gleichzeitig ein modernes, sicheres und skalierbares Energiesystem aufzubauen. Genau darin liegt die Stärke modularer Wasserstoffsysteme.“
Der installierte HydroCab PowerCore basiert auf einem modularen Systemansatz, der Elektrolyse, Wasserstoffaufbereitung, Speicheranbindung und Brennstoffzellennutzung verbindet. H2 Core Systems beschreibt den HydroCab PowerCore als vollständiges Energiespeichersystem, das Wasserstoff- und Batteriesysteme kombiniert und in bestehende PV-, Wind- oder Wasserkraftanlagen integriert werden kann. Das System ist modular skalierbar und für kurz- wie langfristige Energiespeicherung ausgelegt.
Technisch verfügt die bei Weber umgesetzte Anlage über eine Elektrolyseleistung von rund 7,2 kW und kann bis zu 3 kg Wasserstoff pro Tag erzeugen. Die installierte Brennstoffzelle stellt 5 kW elektrische Leistung bereit und liefert zusätzlich thermische Energie, die in den Heizkreis eingebunden wird. Die Wasserstoffspeicherung erfolgt in fünf Flaschenbündeln mit jeweils 16 Flaschen à 80 Liter bei bis zu 300 bar.
„Die besondere Herausforderung bestand darin, ein bestehendes System technisch sauber umzurüsten und dabei möglichst viele Komponenten weiterzuverwenden“, sagt Julian Suteu, Projektmanager bei H2 Core Systems. „Wir haben die Elektrolyse, die Brennstoffzelle, die Steuerung, die Sicherheits- und Wärmeeinbindung sowie die Kompressorsteuerung aufeinander abgestimmt. Dadurch ist ein Gesamtsystem entstanden, das die vorhandene PV-Anlage, den Batteriespeicher, den Wasserstoffspeicher und den Heizkreis intelligent miteinander verbindet.“
Auch für die Stadt Hamm ist das Projekt ein sichtbares Beispiel dafür, wie dezentrale Energielösungen auf lokaler Ebene umgesetzt werden können.
„Projekte wie dieses zeigen, dass die Energiewende in Hamm nicht abstrakt bleibt, sondern ganz praktisch bei Unternehmen, Immobilien und Menschen vor Ort ankommt“, sagt Marc Herter, Oberbürgermeister der Stadt Hamm. „Die Verbindung von Photovoltaik, Wasserstoffspeicherung, Elektromobilität und Wärmenutzung macht deutlich, welches Potenzial in innovativen, dezentralen Energiesystemen steckt.“
Mit der Anlage bei der Weber GbR wird überschüssiger Solarstrom nicht nur kurzfristig genutzt, sondern saisonal speicherbar gemacht. Damit kann grüner Wasserstoff insbesondere dann zur Strom- und Wärmeversorgung beitragen, wenn aktuell keine ausreichende PV-Erzeugung zur Verfügung steht. Das Projekt verbindet damit Klimaschutz, Versorgungssicherheit und eine höhere Eigenenergienutzung an einem realen Kundenstandort.






















